Wenn von einem Derby des Hamburger Sportvereins die Rede ist, gehen Fußballfans in aller Regel von einem Stadtduell gegen St. Pauli oder dem Nord-Klassiker gegen Werder Bremen aus: Seit sich jedoch auch Hannover 96 wieder zu einem ambitionierten Teilnehmer der Bundesliga aufgeschwungen hat, hat sich auch hier im allgemeinen Sprachgebrauch längst die Begrifflichkeit des Derbys durchgesetzt. Für viele Anhänger beider Mannschaften stellen die jährlichen Aufeinandertreffen ohnehin ein ganz besonderes Highlight dar – schließlich wird hier zumindest mancherorts noch immer eine tiefe Fan-Freundschaft gepflegt.

Selbst altgediente Klubmitglieder tun sich allerdings schwer damit, die exakten Anfänge der gegenseitigen Sympathiebekundungen auf ein exaktes Ereignis zurückzuführen; fest steht lediglich, dass die freundschaftlichen Beziehung wohl in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Anfang genommen haben. Was Kuttenträger und Hooligans damals begannen, wird heutzutage vor allem von den traditionsbewussten Ultras fortgeführt: So weisen bis zum heutigen Tage bei fast jedem Duell großflächige Banner auf das besondere Verhältnis der beiden Vereine hin.

Solidarität im Abstiegskampf

Einen neuerlichen Schub hat die Fan-Freundschaft zuletzt im Frühjahr des Jahres 2010 erhalten, als es für die 96er nach einer echten Katastrophensaison bereits mit Volldampf Richtung Zweiter Bundesliga ging. Beim direkten Aufeinandertreffen munterten damals die HSV-Anhänger ihre demoralisierten Gegenüber unter anderem mit dem Riesen-Banner: „96, Du wirst niemals untergehen“ auf – und auch in den folgenden Wochen hallten die unterstützenden Anfeuerungsrufe der Hamburger durch die Stadien der gesamten Republik.

Seither drückt sich das gegenseitige Wohlwollen nicht zuletzt durch regelmäßige Wechselgesänge aus: Der Klassiker “ob Schwarz-Weiß-Grün, ob Schwarz-Weiß-Blau, ihr zittert vor dem HSV” sollte zumindest vereinzelt auch am Sonnabendnachmittag wieder zu hören sein. Die jeweiligen Klubführungen haben die Fan-Freundschaft zudem schon mehrfach durch eine Einladung des gegnerischen Stadionsprechers unterstützt; zudem weist auch das aufeinanderfolgende Abspielen der beiden Vereinslieder auf die Besonderheit des Derbys hin.

Momentan überwiegt die Konkurrenz

Verständlicherweise leidet jedoch auch die schönste Freundschaft darunter, wenn man sich sportlich in die Quere zu kommen droht – und da momentan von beiden Mannschaften vehement um den Einzug in die Europa League gerungen wird, dürften nun an diesem Wochenende kaum die ganz großen Gefühlsausbrüche zwischen den beiden Fangruppierungen zu erwarten sein. Für die Gastgeber geht es in der AWD-Arena schließlich darum, den Bundesliga-Dino nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Da der Rückstand auf die sechstplatzierten Gäste bereits jetzt vier Zähler beträgt, dürften die Rothosen im Falle einer weiteren Niederlage vor heimischem Publikum kaum noch einzufangen zu sein.

Nach dem glorreichen 4:1-Erfolg in Dortmund, ist der Mannschaft von Thorsten Fink nun allerdings auch beim Gastspiel in Niedersachsen ein erfolgreicher Auftritt zuzutrauen; angesichts von drei Siegen aus der letzten vier Partien, scheinen die Elbe-Städter derzeit immerhin in ihrer besten Saisonphase angelangt zu sein. Die Hausherren trumpfen vor dem Aufeinandertreffen dagegen einmal mehr mit ihrer imposanten Heimstärke auf: Zuletzt wurden Greuther Fürth, Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim allesamt mit Niederlagen nach Hause geschickt.

Kündigt sich angesichts der tabellarischen Nachbarschaft am Sonnabend somit ein völlig offenes Derby an, haben die Gäste zumindest in der Statistik knapp die Nase vorn: Von den bisherigen 49 Aufeinandertreffen entschied der HSV 20 Partien für sich und konnte zudem 15 Punkteteilungen verbuchen – der letzte Sieg in Hannover liegt dennoch mittlerweile schon beinahe fünfeinhalb Jahre zurück.

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Gast - Thursday, November 23, 2017 03:33:36

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