Ein gefühltes Spitzenspiel im Grundig-Stadion

Hatten Bundesliga-Spiele mit Beteiligung der Bayern zuletzt so gut wie nie Brisanz zu bieten, könnte dies an diesem Samstag – Dominanz hin, Rekordserie her – ausnahmsweise einmal anders sein. In Nürnberg hat man es dem Team von der Isar schließlich nach wie vor nicht ganz verziehen, dass der Ruhm der Münchener den einstigen Glanz des Clubs schon seit Jahrzehnten überstrahlt. Folglich haben sich die Franken in den vergangenen Jahren immer wieder mit erstaunlich guten Derby-Auftritten am deutschen Rekordmeister gerächt: Auch dieses Mal in die Hoffnung auf eine Sensation rund um das Grundig-Stadion bemerkenswert groß.

Zwar liegt der letzte Nürnberger Erfolg in der Landeshauptstadt aus dem Jahre 1992 mittlerweile fast schon so lange wie die letzte eigene Meisterschaft zurück; die gut 150 Kilometer lange Reise in den Norden ist den Münchenern allerdings gleichfalls häufig nicht besonders gut bekommen. Nachdem die Roten hier im Februar 2007 beim Comeback-Debüt von Ottmar Hitzfeld letztmals mit 0:3 untergingen, schlug auch bei den folgenden fünf Gastspielen lediglich ein magerer – und zudem recht glücklich herausgeschossener – 1:0-Erfolg zu Buche: In allen weiteren Partien knöpften die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber dem großen Favoriten stets ein Unentschieden ab.

Obwohl der Tabellenführer unter Pep Guardiola qualitativ noch einmal zugelegt zu haben scheint, dürfte sich das mittlerweile schon 188. fränkisch-bayrische Derby folglich kaum zum Selbstläufer für den amtierenden Champions-League-Sieger entwickeln: Obendrein warten die Nürnberger Hausherren pünktlich zum lokalen Schlagabtausch mit einer vielversprechenden Verfassung auf. Taumelte der Club in der gesamten Vorrunde sieglos der Zweitklassigkeit entgegen, konnten die Abstiegsplätze nach den Siegen über Hoffenheim und bei der Hertha am vergangenen Wochenende erstmals wieder verlassen werden – nach einer endlos anmutenden Anlaufzeit hat Coach Gertjan Verbeek seine Mannschaft nun offensichtlich doch noch auf den rechten Weg zurückgeführt.

Beide Klubs sind in Torlaune

Da es der Club bei den beiden jüngsten Erfolgen mit insgesamt sieben Treffern richtig krachen ließ, steht das Derby nun sogar einigermaßen überraschend unter Verdacht, so etwas Ähnliches wie ein Spitzenspiel zu sein: Zumindest in der Rückrunde gibt es bislang nämlich nur einen Verein, der es auf eine noch bessere Bilanz als Nürnberg bringt. Dass es sich bei diesem Team nun ausgerechnet um die Bayern handelt, dürfte zu den weniger spektakulären Nachrichten des neuen Fußball-Jahres gehören. Mit einem Torverhältnis von 7:0 gegen Gladbach und Frankfurt (sowie dem 2:1-Sieg im Nachholspiel beim VfB Stuttgart) setzte die Truppe von Pep Guardiola ihren Siegeszug auch nach dem Jahreswechsel scheinbar unaufhaltsam fort.

Trotzdem trifft es wohl nicht die ganze Wahrheit, wenn von der mittlerweile auf elf Partien angewachsenen Siegesserie gleich auf eine prinzipielle Unbezwingbarkeit der Bayern geschlossen wird: Zwar haben sich die Heimspiele, wie zuletzt beim 5:0 gegen die Eintracht, in der Tat zu einer Art Selbstläufer entwickelt, in fremden Stadien scheinen die Münchener dennoch nicht gänzlich unantastbar zu sein. Die Punktverluste in Freiburg und Leverkusen weisen ebenso wie der letztlich doch nur glücklich herausgeschossene Last-Minute-Sieg in Stuttgart auf ein gewisses Fremdeln jenseits der Allianz Arena hin: Die Visionen ihres spanischen Trainers haben die Spieler bislang offensichtlich nur in den Heimspielen voll und ganz verinnerlicht.

Da die Nürnberger dem Münchener Starensemble nun schon seit jeher Probleme bereitet, scheint dank des jüngsten Aufschwungs bei den Franken somit nun auch bei der Neuauflage des Derbys wieder eine Überraschung in der Luft zu liegen: Dass die Hausherren überhaupt an eine kleine Chance auf einen Achtungserfolg glauben möchten, hebt die Cluberer immerhin schon einmal wohltuend von all jenen Mannschaften ab, die sich gegen die Bayern von vornherein mit bloßer Schadensbegrenzung zufriedengaben. Dieser Optimismus findet bei den Wettanbietern allerdings keinerlei Widerhall – obwohl dem unangefochtenen Spitzenreiter derzeit vielleicht wirklich nur die Tücken eines Derby in die Quere kommen können, wird von den Buchmachern vorab allein über die Höhe des zu erwartenden Auswärtssieges gestritten.

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Gast - Wednesday, September 20, 2017 10:51:27

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