Schon vor einiger Zeit sind sowohl dem FC Bayern als auch dem FC Augsburg die angestammten Lokalrivalen abhandengekommen: Während sich die Münchener Löwen nunmehr bereits seit über zehn Jahren standhaft weigern, in die 1. Bundesliga zurückzukehren, dümpelt der TSV Schwaben Augsburg inzwischen jenseits von Gut und Böse in der “Bezirksliga Schwaben Süd” herum. Folglich ist es kein Wunder, dass sich die Derbyfans aus der Fuggerstadt längst in Richtung der nur 50 Kilometer entfernten Landeshauptstadt orientieren – und da sich die Mannschaft von Markus Weinzierl zunehmend in der deutschen Eliteliga etabliert, werden dann ja vielleicht auch die Vergleiche mit dem großen Platzhirsch demnächst mit der für ein echtes Derby unverzichtbaren Tradition aufgeladen.

Gegen die die Schwaben hält die Münchener Serie

Dass es sich bei den Duellen der beiden Nachbarn bislang rein gefühlsmäßig lediglich um ein halbes Derby handelt, ist dabei jedoch nur teilweise dem Umstand geschuldet, dass es am Sonntag in der SGL-Arena wettbewerbsübergreifend gerade einmal zum neunten Aufeinandertreffen der noch immer ziemlich ungleichen Vereine kommt: Dem Aufkommen von echter Gänsehaut-Atmosphäre musste vielmehr die regelmäßige Unterlegenheit der Augsburger abträglich sein. Wenngleich sich der Außenseiter mal mehr, mal weniger nach Kräften wehrte, war den Gastgebern bislang nicht einmal im eigenen Stadion der kleinste Achtungserfolg vergönnt – in der Allianz Arena haben sich die Hoffnungen auf eine Sensation dann erst recht nicht erfüllen können.

Als großer emotionaler Höhepunkt der bisherigen Derby-Geschichte ragt somit allein ein Platzverweis von Franck Ribery heraus, der sich im Pokal-Achtelfinale der Vorsaison zu einer vergleichsweise verzeihlichen Unbeherrschtheit hinreißen ließ. Die folgende Überzahl wussten die Augsburger tatsächlich dafür zu nutzen, die Bayern zumindest zeitweise in Bedrängnis zu bringen: Weil sich die Fuggerstädter der gegnerischen Übermacht damals erst nach dem 2:0 durch Shaqiri in der 85. Minute endgültig beugen mussten, waren die Schwaben hier noch am allerdichtesten an einer Überraschung vorbeigeschrammt – letztlich stand aber auch in jenem Match die Abschlussschwäche der Hausherren einem besseren Abschneiden im Weg.

Neuer war zuletzt nicht zu überwinden

Zwar drängt sich angesichts der 40 erzielten Treffer an den bisherigen 28 Spieltagen nicht unbedingt der Eindruck von unbeherrschbaren Augsburger Sturm-Problemen auf; in den Derbys gegen die Münchener hat sich die Offensivabteilung des Außenseiters dann aber doch regelmäßig viel zu lieb präsentiert. Zwei magere Törchen in den acht absolvierten Vergleichen sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass am bayrischen Machtgefüge nie ernsthaft gerüttelt wurde – passenderweise legte die Mannschaft nun auch beim jüngsten 0:3 in Mainz die Vermutung nahe, dass sie sich schon einmal seelisch und moralisch auf die nächste Pleite gegen den übermächtigen Triple-Champion vorbereitet.

Dabei sollten sich die Augsburger aber dennoch darüber freuen können, dass die sich dem Ende entgegen neigende Saison dieses besondere Highlight zu bieten hat: Schien die Luft bei der Mannschaft aufgrund der weitgehend geklärten Tabellenverhältnisse zuletzt ein wenig raus zu sein, dürfte das Derby nun doch noch einmal die Lebensgeister der Spieler zum Leben erwecken. Zwar kann die inzwischen deutlich nach unten weisende Formkurve (nur ein Punkt aus den letzten vier Partien) den Gastgebern vermutlich kaum ein Duell auf Augenhöhe versprechen: Schon allein durch die Erhöhung des Tempos im anstehenden Match könnte der FCA jedoch etwas zusätzlichen Schwung für die noch kommenden Aufgaben gewinnen.

Wie reagieren die Gäste auf die ungewohnte Unentschieden-“Schwemme”?

Obendrein deutete sich in den vergangenen Tagen vage an, dass den Bayern das Wissen um die bereits eingefahrene Blitz-Meisterschaft das Abrufen der gewohnten Siegermentalität ganz sicher nicht leichter macht: Immerhin ist es angesichts der vorangestellten Siegesserie schon bemerkenswert, dass sich die Elf von Pep Guardiola zuletzt gegen Hoffenheim und Manchester United gleich zwei Mal hintereinander in ein Unentschieden fügen musste. Wenngleich dem Tabellenführer der enorme Ballbesitz und die optische Überlegenheit natürlich auch in diesen Partien nicht zu nehmen war, stellte sich die Dominanz doch insbesondere in Old Trafford bisweilen als ein falscher Zauber heraus: Schließlich gelang es den hochfavorisierten Gästen beim schwächelnden englischen Meister nur im Ausnahmefall, eine halbwegs vielversprechend Torchance zustande zubringen.

Trotzdem wäre es natürlich reichlich verwegen, aus zwei Punkteteilungen gegen sich jeweils am Limit bewegende Gegner den Verdacht einer kleinen sportlichen Krise zu konstruieren: Läuft es die für Augsburger nun richtig dumm, könnten die Münchener Gäste die etwas „weltlicheren“ Ergebnisse der vergangenen Tage sogar als eine zusätzliche Motivationsspritze für das Derby verstehen. Nach wie vor werden die Bayern schließlich von dem großen Wunsch geleitet, den Rekord-Punktestand des Vorjahres noch einmal weiter in die Höhe zu schrauben – und in diesem Sinne kommt dem Spitzenreiter das Gastspiel beim verlässlichen Punktelieferanten aus der Fuggerstadt vermutlich gerade recht.

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Gast - Thursday, November 23, 2017 03:38:15

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