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Category: Derbys Österreich – Author: admin – 1:45 pm

Zum 310. Mal wird am kommenden Sonntag das Wiener Derby zwischen Austria und Rapid ausgetragen. In den bisherigen 309 Duellen sind neben 277 Meisterschaftsspielen auch 31 Cup-Partien und ein Supercup-Spiel enthalten. Die letzten drei Aufeinandertreffen entschieden jeweils die Rapidler für sich, darunter auch die letzten beiden Begegnungen in der Generali-Arena – jener Austria-Heimstätte, in der das Derby auch diesmal wieder zur Austragung kommt.

Damit schraubten die Grün-Weißen die Gesamtbilanz zu ihren Gunsten auf 127 Siege. 112 Mal war die Austria erfolgreich, 70 Partien endeten unentschieden. Mittlerweile warten die Violetten bereits seit fünf Derbys auf einen vollen Erfolg über den Erzrivalen. Derartige Serien sind in der Derbygeschichte allerdings nicht ungewöhnlich. Schließlich musste Rapid in den Jahren 2011 bis 2013 insgesamt 10 Spiele auf einen Sieg warten. Die längsten Erfolgsserien – Rapid von 1996 bis 2000 und Austria von 2001 bis 2005 – dauerten jeweils 16 Spiele an. Die längste Siegesserie feierte Rapid zu Beginn der Derbyhistorie, als die ersten 11 Begegnungen (von 1911 bis 1917) allesamt gewonnen wurden.

Die Wiener Vorherrschaft ist Vergangenheit

Jahrzehntelang dominierten die beiden Wiener Vereine – mit kurzen Unterbrechungen – den österreichischen Fußball. Von 102 ausgetragenen Meisterschaften seit 1911/12 holten Rapid (32) und Austria (24) mit 56 Titeln deutlich mehr als die Hälfte. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Im vergangenen Jahrzehnt gewannen die beiden Wiener Klubs nur noch je zwei Titel. Allein fünf Mal holte sich in diesem Zeitraum das Red Bull-Imperium aus Salzburg den Meisterteller ab.

In der neuen Saison sieht es für Rapid und Austria allerdings noch düsterer aus. Aus fünf Meisterschaftsrunden holten die erfolgsverwöhnten Wiener Klubs insgesamt nur einen einzigen Sieg (1:0 von Rapid über die SV Ried am 2. Spieltag). Vor dem Aufeinandertreffen im Derby rangieren die Grün-Weißen nach der 0:1-Heimpleite gegen Aufsteiger Altach nur auf Platz sieben, die Austria – 2013 immerhin noch Meister – liegt gar auf dem vorletzten Tabellenplatz.

Ein Derbysieg als Rettungsanker?

Daher hat das Derby am Sonntag einen ganz besonderen Stellenwert. Der Sieger kann etwas durchatmen und darf sich wieder mehr nach oben orientieren, für den Verlierer wird die Lage dagegen immer schwieriger. Die Unzufriedenheit der Fans war zuletzt auf beiden Seiten spürbar. Die Austria-Spieler erhielten im Training bereits Besuch von aufgebrachten Anhängern und auch im grün-weißen Lager ist die Stimmung angespannt.

Tatsache ist, dass beide Mannschaften ihr Potential bisher nicht ausschöpfen konnten. Während die Austria noch nicht so spielt, wie es sich ihr neuer Trainer Gerald Baumgartner vorstellt, hat es bei Rapid vor allem mit dem personellen Aderlass im Sommer zu tun. Mit Trimmel, Boskovic, Burgstaller, Sabitzer und Boyd verließen fünf Stützen den Verein. Vor allem die drei letztgenannten Offensivspieler konnten bisher nicht entsprechend ersetzt werden. Bei Austria wurde für den nach Frankreich abgewanderten Topscorer Philipp Hosiner der israelische Teamspieler Omer Damari geholt. In fünf Meisterschaftsspielen erzielten Rapid und Austria jeweils nur vier Tore. Im gleichen Zeitraum verbuchte Tabellenführer Red Bull Salzburg 24 Treffer (bei nur einem Gegentor).

Wie sehr schwächt die Europa League?

Ein Vorteil für die gastgebende Austria könnte darin liegen, dass sich die Mannschaft eine Woche lang ganz auf die Begegnung mit dem Erzrivalen konzentrieren und sich auf den Gegner einstellen kann. Das ist bei Rapid ganz und gar nicht der Fall, müssen die Grün-Weißen doch noch am Donnerstag das Play-off in der Europa League in Finnland gegen HJK Helsinki bestreiten. Von diesem Spiel wird es wohl auch abhängen, in welcher Verfassung die Gäste am Sonntag antreten werden. Sollte das internationale Abenteuer von Erfolg gekrönt sein, könnte sich das auch im Derby positiv bemerkbar machen.