Nicht nur Derby-Liebhaber kommen an dem Nord-Gipfel zwischen den beiden Hansestädten aus Hamburg und Bremen nicht vorbei: Da die Bundesliga bislang keinen Vergleich öfter zu sehen bekam, fühlen sich auch sämtlichen Traditionalisten dem nunmehr schon 101. Schlagabtausch am kommenden Sonntagnachmittag verpflichtet. Verpassen sollte man das Städte-Duell jedoch vor allem deshalb nicht, weil die nächste Auflage in dem Imtech Arena möglicherweise etwas länger auf sich warten lässt.

Nur der Blick zurück macht richtig Spaß

Eigentlich scheint die deutsche Elite-Liga ohne die beiden großen Nord-Klubs gar nicht denkbar zu sein: Während der HSV aus seiner permanenten Anwesenheit in der Bundesliga als „Dino“ längst einen erheblichen Teil seiner Identität bezieht, hat auch der grün-weiße Rivale bislang nur eine einzige Spielzeit sausen lassen. Nach dem Abstieg im Jahr 1980 kehrte Werder jedoch schon nach Jahresfrist umgehend wieder zurück, um dann fortan dauerhaft auf der großen Bühne sesshaft zu werden – angesichts seines langen Atems ist das norddeutsche Duo folglich sogar den sportlich mittlerweile unerreichbaren Bayern noch immer weit voraus, wenn es um die Treue zur ersten Liga geht.

Da die beiden Teams somit die dienstältesten Bundesligisten stellen, erklärt es sich von selbst, dass das direkte Aufeinandertreffen zugleich auch der größte Klassiker des deutschen Fußballs ist: Während der HSV und Bremen bereits vor dem 101. Schlagabtausch stehen, hat es bis dato keine andere Partie in den „Kreis der Einhunderter“ geschafft. Nach exakt 100 ausgetragenen Derbys haben bislang übrigens die Gäste von der Weser knapp die Nase vorn: Derweil es der vierfache Meister auf insgesamt 36 Siege bringt, hatte der Europapokalsieger der Landesmeister von 1983 bisher nur in 31 Fällen das bessere Ende für sich.

Die ebenso lange wie erfolgreiche Historie beider Mannschaften will allerdings nicht so recht zu der Stimmungslage passen, mit der sich die Dauer-Rivalen nun am 12. Spieltag gegenüberstehen: Da sich die Fußballwelt in den letzten Jahren immer weiter drehte, scheinen mittlerweile schließlich sowohl die Rautenträger als aus die Weser-Städter zu zum Aussterben verdammten Überbleibseln einer vermeintlich besseren Vergangenheit geworden zu sein. Würde zum jetzigen Zeitpunkt Bilanz gezogen, wäre den Hamburger als Tabellenvorletztem der bereits im Vorjahr angekündigte Gang in die Zweitklassigkeit gewiss – die auf Rang 16 geführten Bremer dürften sich dagegen immerhin noch einmal in der Relegation ihrer Haut erwehren.

Neue Trainer, neue Hoffnung

Macht den in inniger Feindschaft verbundenen Rivalen seit etlichen Jahren ein schleichender Abwärtstrend zu schaffen, scheint nun der Tag der fälligen Abrechnung stetig näherzurücken: Da die Zahl der potentiellen Abstiegskandidaten derzeit äußerst überschaubar ist, käme es wohl schon einem mittleren Wunder gleich, wenn es zum Saisonende nicht zumindest einen der beiden Klubs erwischt. Das so traditionsreiche Derby gleicht in der Neuauflage folglich einem Tanz auf dem Totenbett, in dem möglicherweise nur der Sieger dem Gevatter Tod noch das eine oder andere zusätzliche Jährchen abringen kann.

Dass man zum Saisonende dann bestenfalls aber doch über derartige Horror-Szenarien lachen darf, ist auf die hier wie dort frühzeitig erfolgten Trainerwechsel zurückzuführen: So ist es Joe Zinnbauer und Viktor Skripnik an ihren neuen Wirkungsstätten jeweils gelungen, eine lange vermisste Aufbruchsstimmung zu initiieren. Dass dabei gleich beide Trainer aufgrund klammer Kassen aus dem eigenen „Nachwuchs“ stammten, zeigt erneut, dass bei aller Rivalität die Gemeinsamkeiten mehr denn je das Trennende überlagern – obwohl sich der HSV traditionell für das etwas großspurige Auftreten entscheidet, scheint man im Norden doch vornehmlich aus demselben Holz geschnitzt zu sein.

Werder war zuletzt besser drauf

Allerdings haben die Parallelen ein Ende, wenn es um die aktuellen Formkurven vor dem direkten Aufeinandertreffen geht: Während Zinnbauer beim HSV seit seinem Amtsantritt im September mit großen Siegen gegen den BVB und Leverkusen, aber auch schon vier kassierten Niederlagen bereits etliche Hochs und Tiefs einer Trainerlaufbahn im Schnelldurchlauf erlebte, bringt sein Gegenüber Skripnik bislang nur einen reichen Erfahrungsschatz in Sachen Gewinnen mit. Die zuvor noch ohne jeden Dreier am Tabellenende platzierten Bremer machten mit den Erfolgen gegen Mainz und Stuttgart unmittelbar vor der Länderspielpause in Windeseile reichlich Menge Boden gut – obendrein ist den Grün-Weißen die nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht wertvolle Qualifikation für das Achtelfinale des DFB-Pokals geglückt.

Angesichts dieses kleinen Laufs scheint sich das Momentum derzeit ganz eindeutig auf Seiten der Gäste zu befinden; eine Annahme, die man durchaus aber auch beim Blick auf die letzten Derbys gewinnen kann. Immerhin hatte Werder fünf der jüngsten sechs direkten Vergleiche für sich entscheiden können – so war den Bremern etwa bereits in der Vorsaison in einer ähnlich bedrängten Lage mit einem 2:0-Triumph in dem Imtech Arena ein richtungsweisender Befreiungsschlag gelungen. Dass der Trend jedoch ziemlich klar für die Gäste zu sprechen scheint, lässt neben dem HSV auch die Wettanbieter kalt – diese gehen mit Favoritenquoten von knapp über 2,0 davon aus, dass es der Dino am Sonntag mithilfe der eigenen Anhängerschaft schon richten wird.

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Gast - Wednesday, September 20, 2017 10:56:53

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