Obwohl der VfL Wolfsburg derzeit im Begriff ist, sich in der laufenden Saison als die unangefochtene Nummer 2 der Bundesliga zu etablieren, muss die Mannschaft von Dieter Hecking doch auch weiterhin damit leben, in der niedersächsischen Heimat nicht die allererste Wahl zu sein. Aufgrund der glorreichen Vergangenheit ist hier mit „Derby“ schließlich noch immer vor allem ein Duell zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig gemeint – folgerichtig nehmen die Roten aus der Landeshauptstadt die Wölfe nun am kommenden Sonnabend nach der offiziellen Sprachregelung nur zu einem „kleinen Derby“ in Empfang.

Hannover ist eine Derby-Macht

Mag es einerseits durchaus verständlich sein, dass die Anhänger der 96er den durch unzählige VW-Millionen zur lokalen Fußball-Macht aufgestiegenen Wölfen die große Ehre einer offen zur Schau getragenen Rivalität partout verweigern möchten, kann zugleich jedoch auch sehr wohl angenommen werden, dass man ebenso auch bei den Gästen keinen besonderen Wert auf die regelmäßigen Nachbarschafts-Duelle legt. Denn während der VfL die nationalen Konkurrenten zunehmend in Angst und Schrecken versetzt, ist die Mannschaft innerhalb der eigenen Landesgrenzen nach wie vor ein ziemlich kleines Licht: Niedersächsische Derbys bedeuteten für den Europa-League-Teilnehmer zuletzt fast immer den sicheren Untergang.

Ließen die Wölfe etwa in der Vorsaison gegen die nur kurzzeitig in der Bundesliga vorbeischauenden Löwen aus Braunschweig gleich fünf fest eingeplante Zähler liegen, stand das Team nach den beiden Duellen gegen Hannover sogar komplett mit leeren Händen da; mit beachtlichen fünf Derby-Siegen in Folge stellten sich die 96er in der jüngsten Vergangenheit ohnehin als der große nationale Angstgegner des VfL heraus. Ungeachtet dieser langen Siegesserie hat die Elf von Tayfun Korkut in der Gesamtbilanz aber trotzdem nur denkbar knapp die Nase vorn: Nach insgesamt 39 Vergleichen von der Bundesliga bis zur Regionalliga-Nord sowie einem Aufeinandertreffen im DFB-Pokal könnte der Vorsprung mit 17:16-Siegen kaum dünner sein.

…aber die Tabelle spricht für den VfL

Dennoch darf durchaus angenommen werden, dass der zusammengetragene Zahlensalat für das nun anstehende 40. Derby der beiden niedersächsischen Bundesligisten allenfalls untergeordnete Relevanz besitzt: Die recht deutliche Favoritenstellung der Wolfsburger Gäste dürfte schließlich nicht nur darauf zurückzuführen sein, dass sich die Lust der VfL-Kicker in Grenzen hält, schon wieder nach einem der regelmäßigen Prestigeduelle der große Depp zu sein. Insbesondere der von dem Gespann Allofs/Hecking eingeleitete Aufschwung schanzt den Wölfen am Samstagnachmittag die besseren Karten zu – sieben Siege aus den letzten acht Bundesliga-Partien lassen den VW-Klub hoffen, dass beim nunmehrigen Aufeinandertreffen mit den 96ern trotz aller schlechten Erfahrungen nun wirklich nichts Unangenehmes passieren kann.

Namentlich in der Offensive ist der VfL derart gut aufgestellt, dass man beinahe schon das Schlimmste für die Roten fürchten muss. Während sich die Gastgeber aus Hannover im bisherigen Saisonverlauf mit ganz mageren 13 Treffern begnügten (die zweitschlechteste Ausbeute aller Bundesligisten, brachte der Lokalrivale den Ball im gleichen Zeitraum fast doppelt so häufig im gegnerischen Kasten unter. Als großer Pluspunkt stellte sich dabei vor allem die ungeheure Vielzahl an potentiellen Scharfschützen heraus: Ist zum einen die vorderste Linie mit Spielern wie Olic, Bendtner, Persisic und Hunt ausgesprochen hochwertig besetzt, weiß das Team darüber hinaus auch die torhungrigste Abwehr der Liga in seinen Reihen: Knoche, Naldo und der derzeit verletzungsbedingt pausierende Rodriguez trugen immerhin bereits beachtliche acht Treffer zur Ausbeute der Wölfe bei.

Auch ein kleines Derby hat seinen Reiz

Feuerten die Gäste in den vergangenen Wochen aus buchstäblich allen Rohen, machte den 96ern im zu Ende gehenden Herbst ein permanenter Zickzack-Kurs zu schaffen: So ließ Hannover auf die Niederlagen gegen Stuttgart, München und Gladbach zunächst eine Erfolgsserie gegen Dortmund, Frankfurt und die Berliner Hertha folgen, bis es dann in der Tabelle nach den beiden jüngsten Pleiten gegen Leverkusen und Hoffenheim wieder ein gutes Stück nach unten ging. Im Vergleich zur verkorksten Vorsaison stellt der momentan zu Buche schlagende achte Rang für die Mannschaft allerdings trotz allem eine erfreuliche Stabilisierung dar – zumal der zwischenzeitliche Höhenflug darauf hoffen lässt, dass sich die unlängst erlittenen Rückschläge nun ebenfalls nur als ein vorübergehendes Phänomen erweisen.

Da die Hausherren zuletzt jedoch bereits gegen zwei unmittelbare Tabellennachbarn leer ausgingen, schlagen die Roten vor der schweren Aufgabe gegen den ungleich ambitionierteren Nachbarn dennoch vorsichtshalber erst einmal etwas leisere Töne an: So tat der ansonsten keinesfalls als Leisetreter bekannte Klubchef Martin Kind vor dem Derby kund, „schon mit einem Punkt deutlich zufrieden“ zu sein. Dass ein dreifacher Punktgewinn entsprechend „mehr als erfreulich“ wäre, dürfte sicher nicht nur auf die bloße Stärke des Gegners zurückzuführen sein – allein der Umstand, dass Kind ohne Not das sportliche Tagesgeschäft kommentiert, verweist schließlich darauf, dass man das Niedersachsen-Duell in Hannover dann doch um einiges ernster nimmt, als man es dem Wolfsburger Rivalen im Grund des eigenen Herzens eigentlich zugestehen will.

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Gast - Wednesday, September 20, 2017 11:02:51

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