In Nordrhein-Westfalen ist der Profi-Fußball bekanntlich derart prominent vertreten, dass die bloße regionale Nähe zweier Mannschaften noch lange nicht die Gemüter erhitzen muss: Da etwa auch die Teams aus Leverkusen und Gladbach den sportlichen Erzfeind in erster Linie in Köln verorten, hatten wir sogar in diesem Blog schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Duelle zwischen der Werkself und den Fohlen eigentlich jede halbwegs streng gezogene Derby-Grenze unterschreiten. Da jedoch auch vergleichbare Ambitionen zu ganz neuen Rivalitäten führen können, wird selbst so mancher Derby-Purist das anstehende Topspiel am Sonntagnachmittag bereits mit gesteigertem Interesse verfolgen.

Zwei Nachbarn wollen in die Königsklasse

Dass sich die beiden Klubs vom Rhein derzeit punktgleich und mit identischer Tordifferenz im Kampf um einen Champions-League-Startplatz gegenseitig auf den Füßen stehen, dürfte doch zumindest schon einmal für eine äußerst spannende Angelegenheit auf absoluter Augenhöhe sprechen: Immerhin werden in der BayArena möglicherweise bereits vorentscheidende Weichen gestellt, welcher Verein am größten deutschen Fluss künftig den fußballerischen Takt bestimmt. Während Leverkusen viele Jahre lang die klare – wenn auch nicht unbedingt hinsichtlich der Sympathiewerte – Nummer 1 der Gegend war, ist die Mannschaft von Lucien Favre nun schon seit einiger Zeit damit beschäftigt, Bayer die Vorherrschaft streitig zu machen.

Insbesondere in der Saison 2012/13 schien dieser Machtwechsel sogar bereits einmal vorübergehend vollzogen worden zu sein: Während es für die auf dem fünften Platz über die Ziellinie gegangenen Werkskicker auf direktem Weg in die Europa League ging, verpassten erst die viertplatzierten Fohlen in der Folgesaison nur knapp, in den Playoffs gegen Dynamo Kiew dann auch tatsächlich in die europäische Königsklasse einzuziehen. Wie sich jedoch nicht nur gegen das Top-Team aus der Ukraine zeigte, ließen sich die Abgänge von Spielern wie Reus, Dante und Hochstädter nicht so ohne weiteres kompensieren – nach dem Aderlass benötigte die Borussia ganze zwei Jahre, bis nun in der laufenden Spielzeit vielleicht erneut nach den Sternen gegriffen werden kann.

Geht’s mit den Fohlen schon wieder bergauf?

Dass in Gladbach wieder eine äußerst schlagkräftige Mannschaft zusammengewachsen ist, hatte insbesondere der sensationell erfolgreiche Auftakt in die Saison offenbart: Mit 18 Pflichtspiel-Auftritten ohne jede Niederlage wurde ein über 40 Jahre alter Startrekord aus der glorreichen Meistersaison 1970/71 atomisiert. Die aufgrund des „Jahrhundert-Eigentors“ von Christoph Kramer kassierte Pleite beim BVB läutete nach dem vielversprechenden Beginn jedoch eine kleine Durststrecke ein – nachdem sich das Team in den folgenden Partien auch Frankfurt und Wolfsburg geschlagen geben musste, schien die gewohnte Ordnung selbst beim jüngsten 3:2-Erfolg über die Hertha noch nicht wieder vollends wiedergefunden worden zu sein.

Dennoch dürfte die Borussen auch im Moment der Schwäche die unbestreitbare Tatsache trösten, das angestrebte Soll momentan noch vollauf zu erfüllen – bei den punktgleich aufliegenden Gastgebern kann man sich diesbezüglich dagegen nicht ganz so sicher sein. Wurde der aus Salzburg verpflichtete Roger Schmidt zunächst als Wundertrainer begrüßt, welcher der Werkself endlich den Ausweg aus der schier endlosen titellosen Ära verspricht, hat nun auch der frühere Mozartstädter seine Schwierigkeiten, seiner neuen Mannschaft die seit Jahren gewohnten Leistungsschwankungen auszutreiben: Oft genug bleibt nach Vorstellungen der Leverkusener noch immer das Gefühl zurück, dass Bayer längst nicht das Optimale aus seinen Möglichkeiten macht.

Im Derby ist Gladbach eine kleine Nummer

Wurde aufgrund dieser Schwäche gerade erst der so greifbare Gruppensieg in der Champions-League-Vorrunde mit enttäuschenden Auftritten gegen den AS Monaco und Benfica Lissabon weggeschenkt, hat sich mittlerweile auch in der Bundesliga schon wieder ein beachtlicher Berg von vermeidbaren Fehlleistungen angehäuft. So gaben die Leverkusener etwa gegen Bremen und in Stuttgart jeweils von A bis Z dominierte Partien ärgerlicherweise aus der Hand. Während es darüber hinaus unter anderem auch gegen den HSV und den SC Paderborn an Peinlichkeit grenzende Punktverluste (bzw. gar Niederlagen) setzte, wurde es beim vorwöchigen 0:1 in München versäumt, das Chancenplus der ersten Halbzeit in etwas Zählbares umzusetzen.

Schon allein die Aufzählung, was mit ein wenig mehr Konsequenz eigentlich möglich gewesen wäre, muss unmittelbar zu der Schlussfolgerung führen, dass Bayer vor dem anstehenden Spitzenspiel dennoch mit dem deutlich größeren Lebendgewicht den Rasen der heimischen Arena betritt: Die Favoritenstellung der Hausherren wird zudem auch durch die direkte Bilanz gestützt, aus der sich für die Werks-Kicker relativ klare Vorteile ergeben (24 Siege, 25 Unentschieden, 15 Niederlagen). An dem denkwürdigsten Aufeinandertreffen der jüngeren Vergangenheit hatten allerdings die Fohlen an entscheidender Stelle mitgewirkt: So sorgte ein Gladbacher 6:3-Auswärtssieg im August 2010 dafür, dass es auch über das vermeintliche oder tatsächliche „Nicht-Derby“ bereits so manche spannende Anekdote zu berichten gibt.

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Gast - Monday, September 25, 2017 01:26:57

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