Aufgrund einer Entfernung von deutlich über 600 Kilometer scheint es gewagt zu sein, das zum Rückrundenstart anstehende Duell zwischen dem HSV und dem FC Bayern der Kategorie “Derby” zuzuschlagen: Langjährige Fans der Bundesliga wissen natürlich dennoch, was sie an ihrem traditionsreichen Nord-Süd-Klassiker haben.

Seit die eingleisige Liga den deutschen Fußball zu revolutionieren begann, wurde schließlich nur das echte Derby zwischen Hamburg und Bremen noch etwas häufiger aufgeführt: 101 geschlagene Schlachten haben zur Folge, dass am Freitag gleich zwei Dinos aufeinandertreffen.

Da sich die beiden Klubs in den vergangenen Jahren in komplett unterschiedliche Richtungen bewegten, ist aus dem Evergreen allerdings mehr und mehr ein Duell der Gegensätze geworden: Insbesondere in der Allianz Arena schaute der HSV jüngst nur noch zum Spießrutenlaufen vorbei.

 


Die Quoten für das Auftaktspiel der Rückrunde im Wettanbieter Vergleich:

Tipico Bet365 Mybet Interwetten Bet3000 Betsafe
Sieg HSV 12,0 13,0 10,0 9,00 15,0 14,5
Unentschieden 6,50 6,50 6,50 5,00 7,50 6,75
Sieg FC Bayern 1,23 1,20 1,25 1,30 1,22 1,21

 

Der HSV macht sich lächerlich

Die Klatschen, die die Rautenträger zuletzt an der Isar kassierten, könnten in jedem Falle geradewegs einem Gruselkabinett entsprungen sein: Nach den vernichtenden Niederlagen unter Fink (2:9) und Zinnbauer (0:8), kam unlängst auch “Messias” Labbadia nicht um ein 0:5 zum Saisonauftakt herum.

Da sich die Norddeutschen in der Folge jedoch deutlich stabilisierten, mutet der missglückte Auftakt längst wie der Schnee von gestern an: Allerdings sorgen nun auch topaktuelle Probleme dafür, dass sich der HSV nicht gerade mit einer stolz geschwellten Brust in das anstehende Rückspiel begibt.

Die im Trainingslager zu Belek kassierten Testspiel-Niederlagen gegen Ajax Amsterdam, Rot-Weiß Erfurt und Youngs Boys Bern lassen fast schon befürchten, dass es für die Überlebenskünstler von der Elbe in Sachen Klassenerhalt doch noch einmal richtig unangenehm werden kann.

Für verdüsterte Mienen sorgt zudem, dass der Hamburger Kader bereits zum Start der Rückrunde aus dem vorletzten Loch zu pfeifen droht; kommt es hart auf hart, dann muss Labbadia gegen die Bayern mit Spahic und Lasogga gleich zwei vermeintlich unverzichtbare Schlüsselspieler ersetzen.

 


Die letzten 5 Duelle zwischen dem HSV und Bayern München:

Datum Bewerb Heimteam Auswärtsteam Ergebnis
14.08.2015 Bundesliga Bayern HSV 5:0
14.02.2015 Bundesliga Bayern HSV 8:0
29.10.2014 DFB-Pokal HSV Bayern 1:3
20.09.2014 Bundesliga HSV Bayern 0:0
03.05.2014 Bundesliga HSV Bayern 1:4

 

Das lange Warten auf den 20. Sieg

Nachdem der HSV zuletzt im September 2009 gegen den deutschen Rekordmeister triumphierte, scheint der nach wie vor ausstehende 20. Sieg im Nord-Süd-Gipfel (bei 22 Unentschieden und 60 Niederlagen) somit auch im 102. Vergleich ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Die vagen Hoffnungen auf eine kleine Sensation werden zudem auch von der bis dato ziemlich missratenen Heimbilanz torpediert: Während der HSV auswärts schon ganze vier Mal triumphierte, kamen bei den acht Auftritten im Volkspark nur zwei magere Dreier herum.

Immerhin können die Rothosen jedoch darauf verweisen, dass zumindest die jüngere Heim-Bilanz gegen die Münchener erstaunlich passabel ist: Lediglich in zwei der letzten sechs Duelle zeigte sich der stets krasse Außenseiter der feindlichen Übermacht nicht ganz gewachsen.

Auch die bisherige “gefühlte” Auswärtsschwäche der Bayern könnte dafür sorgen, dass es im Livespiel am Freitagabend doch ein bisschen spannend wird: Angesichts von nur 14 in der Fremde erzielten Treffern lebte der Tabellenführer seinen Torhunger (32 Treffer) bislang vornehmlich in der Heimat aus.

 


Das einzige Testspiel vor dem Rückrundenstart verlor der FC Bayern mit 1:2 beim Karlsruher SC.
(Quelle: YouTube/FC Bayern München)

 

Guardiolas Ausstieg wird für die Bayern zur großen Chance

Die erstaunlicherweise mit 1:2 vergeigte Generalprobe beim Karlsruher SC war am vergangenen Wochenende dagegen wohl erst in zweiter Linie jener Auswärtsschwäche geschuldet; vielmehr schienen die Münchener Spieler noch immer unter dem Eindruck des Trainingslagers in Katar zu stehen.

Dass die Fernreise in das Emirat die Leistungen der Bayern nicht unbedingt durch die Decke gehen lässt, hatte sich bereits beim vorjährigen Auftaktspiel in Wolfsburg gezeigt: Bei den heimstarken Niedersachsen musste sich der Rekordmeister in ein 1:4-Debakel fügen.

Eine ähnliche Katastrophe hat Pep Guardiola zu Beginn seiner Abschiedstournee nun ganz sicherlich nicht zu fürchten – zumal die Erfahrung lehrt, dass die Bayern ein angekündigter Trainerwechsel sogar noch ein bisschen gefährlicher macht.

Nachdem vor drei Jahren der Abgang von Jupp Heynckes vorzeitig beschlossen wurde, sicherte sich die Mannschaft mit 25 Siegen in den folgenden 27 Pflichtspielen das legendäre Triple: Knüpfen die Münchener nun an den damaligen Endspurt an, dürfte dem HSV dieses Mal selbst der Volkspark nicht mehr als ein sicherer Hafen dienen.

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Gast - Thursday, November 23, 2017 03:37:58

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