Jahn Regensburg

Category: Jahn Regensburg – Author: admin – 11:09 am

Ultras Regensburg

Ultras Regensburg, eine Gruppe, die für farbenfrohen und guten Support steht, die immer für ihren Club da ist, auch in schlechten Zeiten, denn der SSV Jahn Regensburg kämpft regelmäßig ums finanzielle Überleben. Viel wird über große Ultragruppe geredet, doch auch in kleineren Szenen wird die Ultrà Mentalität gelebt. Derbysieg.com wollte wissen wer sind die UR, was für Probleme haben/hatten sie mit Akzeptanz innerhalb der Fanszene, wie schlecht es finanziell um ihren Club steht, welche Highlights es in den letzten Jahren gab, vor allem aus Derbysicht. Matze, ein Mitglied der Gruppe, erklärte sich bereit unsere Fragen zu beantworten.

Interview Ultras Regensburg

1. Hey Matze, erzähl kurz etwas über Dich. Welche Funktion übernimmst Du bei den Ultras Regensburg?

  • Ich bin 26, Gründer der Ultras Regensburg, war 3 Jahre lang Vorsänger und bin seit Gründung auch als Capo der Gruppe tätig.

2. Erzähle uns etwas zu den Ultras Regensburg, wann und wie wurdet Ihr gegründet, aus welchen Interessen habt Ihr Euch gegründet, wie viele Mitglieder hat die Gruppe UR und wie groß ist der erweiterte ultraorientierte Kreis in Regensburg, wie groß der harte Kern, der auch auswärts das Team supportet?

  • Die junge Fanszene des SSV Jahn bündelte sich Ende der 90er wieder und organisierte sich zum neuen Jahrtausend neu. Die Ultras Regensburg waren anfangs als Sektion im 2.Fanclub „Ratisbona Fanatica 01“ installiert. Nach und nach wurde UR jedoch größer als RF und spaltete sich ab. In der 2.Liga-Saison 04/05 hatten wir fast 50 Mitglieder. Nach dem zweimaligen Abstieg bis in die Bayernliga erfolgte ein Komplett-Umbau und derzeit haben wir wieder 27 Mitglieder. Dazu arbeiten wir sehr eng mit den Jugendgruppen „JAHNgsters 09“ und „Red Generation 07“ zusammen, die jeweils etwa 15 Mitglieder zählen. Der erweiterte ultraorientierte Kreis in Regensburg ist derzeit auf etwa 80 Leute zu beziffern. Der harte Kern sind etwa 100 Leute.

Fanszene Regensburg

3. In ganz Deutschland kämpfen Ultras auch für Akzeptanz innerhalb der Fanszene, wie sieht das bei Euch in Regensburg aus?

  • Obwohl die aktive Fanschar des SSV Jahn sehr überschaubar und klein ist, hatten wir diese Probleme vor Allem in den ersten Jahren durchaus. Das Publikum im Regensburger Jahnstadion hat ein gehobenes Durchschnittsalter und ist großflächig sehr konservativ eingestellt. Mittlerweile hat der Elan der anderen alteingesessenen Fangruppen etwas nachgelassen und wir sind seit 5 Jahren der Motor der Szene. Auch aufgrund der Tatsache, dass uns so einige langjährige Anhänger ein kurzes Fanclubdasein vorausgesagt haben und wir seither aber auch in der Stadt interaktive Vernetzungen zwischen den Subkulturen geschaffen haben, werden wir mittlerweile respektiert. Früher wurden wir mittlerweile „Älteren“ in der Schule gehänselt, weil wir nicht – wie die Masse – zum Regensburger Eishockeyverein gingen. Das Projekt UR01 wurde in der Anfangszeit stark belächelt. Mittlerweile kommen genau diese Personen, die ich aus alten Schultagen noch kenne und gratulieren zu diesem Lebenswerk und den Weg, den wir einschlugen. Das sind genau die Leute, die noch nie selbst etwas bewegt haben, sondern immer nur mit dem Strom geschwommen sind.

4. Ich habe sehr interessiert die Ausgabe 39 Eures DonaustadtkURiers gelesen, in dieser nehmt Ihr Stellung zur Selbstdarstellung der deutschen Ultraszene. Ein Stück weit ist also dran, wenn ein außenstehender Fan Ultras als Selbstdarsteller bezeichnet, aber wie kommt es, dass sich viele noch dagegen wehren und der Meinung sind man brauche keine Medien, um sich zu präsentieren?

  • Ich bin hierzu relativ oldschool eingestellt. Ich halte von Selbstdarstellung generell absolut nichts. Externe Medien braucht man nicht, die eigenen Publikationen sollten auch in erster Linie als Archiv/Tagebuch der Erinnerungen dienen oder zu Mobilisierungszwecken genutzt werden. Allerdings gehört eigene Darstellung seit Ursprung des Ultràgedankens zum Alltag einer Ultragruppe. Hier kommt es darauf an, wie jede Szene definiert, wo Selbstdarstellung anfängt. Man sollte hier auch unterscheiden zwischen übertriebener Darstellung der Gruppe als Ganzes und die der eigenen Person. Im Endeffekt ist eine Zaunfahne bereits als Selbstdarstellung zu werten. Große Schwenker mit Gruppenlogos sind dann die Steigerungform und Rumgehampele auf Zäunen sowie das Präsentieren stählerner Körper oder Choreos zum 20jährigen einer Fangruppierung, die sich also nicht der Mannschaft zuwenden, der Krösus. Das gibts aber auch bei uns viel mehr als früher- Ultrà hat sich stark verändert.

5. Schaut Ihr auch auf andere Szenen was die so Wochenende für Wochenende machen?

  • Sicherlich interessiert es uns, was die anderen so treiben. Aber nicht, um eine andere Szene zu bewerten oder gar Ideen zu kopieren, sondern aus reinem Interesse. Ich halte von diesem ganzen Schwanzvergleich nichts. Der findet bei uns 2 Mal im Jahr beim Derby statt und danach ist aber auch wieder Schluss.

6. Was war bisher Euer Highlight als Ultras Regensburg? Worauf seid Ihr besonders stolz?

  • Da gibt es zuviele, um eine rauszupicken. Als Choreo ganz klar die am 28.Spieltag der Saison 08/09 zuhause gegen Wacker Burghausen. Ich bin eher auf die Gesamtentwicklung unheimlich stolz, als einzelne Aktionen auszuwählen. Vor 10 Jahren hätte niemand damit gerechnet, eine zwar kleine, aber gefestigte Ultraszene mit großem Zukunftspotential aufgrund regen Nachwuchszulaufs zu haben.

Choreo gegen Burghausen

7. Kommen wir zu Eurem Verein. Viele reden immer davon, dass ostdeutsche Traditionsvereine finanzielle Probleme haben, daraus resultierend auch sportliche. Sicherlich habt Ihr nicht die Tradition, wie Dynamo Dresden, aber Existenzängste sind auch bei Jahn Regensburg allgegenwärtig. Wie geht Ihr Fans damit um? Was haltet Ihr von tatkräftigen Sponsoren, von Vereinen wie Augsburg und auch Ingolstadt oder um das Extrem Hoffenheim zu nehmen?

  • Ersteinmal vorab: Wir haben keine geringere Tradition als Dynamo Dresden. Dynamo hat nur in der Neuzeit nach 1980 erfolgreicheren Fußball gespielt und ist dadurch bekannter. Auch zwischen den genannten Vereinen muss man differenzieren. Ingoldorf und Hoffenheim (genau wie übrigens Wehen-Wiesbaden) kann man in einem Zug nennen. Der Geldgeber ist zwar auf der einen Seite ein lokales Prunkunternehmen und auf der anderen ein Geldhai allein, aber diese traditionslosen Vereine braucht kein Mensch. Einstweilen gehen Traditionsverein wie Darmstadt 98 bankrott. Augsburg hat bereits seit vielen Jahren den gleichen Geldgeber. Dessen Herz hängt am Traditionsverein FCA und der war auch in der Bayernliga schon da. Gäbe es beim SSV Jahn einen Fan, der im Lotto gewinnt und danach ein paar Millionen zuviel hat, wo wäre das Problem? Wir Jahnfans wurden aber in dieses „ärmliche Umfeld“ hineingeboren. Einen Verein sucht man sich nicht aus, man wächst in ihn hinein…

8. Wie sieht bei Euch im Verein die aktuelle finanzielle Lage aus?

  • Finster wie die Nacht.
  • Ich gehe seit 13 Jahren zum SSV und habe noch keine Saison erlebt, wo nicht gezittert werden musste, dass das Gesamtkonstrukt einstürzt.

9. Sportlich geht es auf und ab, derzeit seid Ihr in der 3 Bundesliga und habt die Saison als Tabellensechszehnter abgeschlossen. Wie zufrieden könnt Ihr Fans damit sein?

  • Der sportliche Verlauf ist zwar etwas schade, da wir die ganze Saison über unter den ersten 10 Plätzen angesiedelt waren und durch eine kleine Talfahrt in den letzten Kicks sogar noch bangen mussten. Aber für uns war der Klassenerhalt das Ziel und das haben wir erreicht. Nun hängts nur noch am Wirtschaftlichen.

10. Welche Ziele, welche Visionen hat Euer Verein? Ich hab etwas von einem neuen Stadion gelesen, wie realistisch ist das und kannst Du uns etwas zum aktuellen Stadion sagen?

  • Ein neues Stadion steht bereits seit etlichen Jahren zur Debatte. Nach einer langwierigen Standortsuche wurde dieser mittlerweile in direkter Autobahnnähe gefunden. Aber ich glaube erst daran, wenn der Bau irgendwann vollendet ist. Abgesehen davon, dass man hinsichtlich der immer schwierig realisierbaren Auflagen des DFB irgendwann ein neues Stadio benötigen wird, hängen wir sehr an unserem baufälligen und altehrwürdigen „Jahnplatz“, ein Stadion inmitten der Stadt mit Flair. Da können die neumodischen Tempel nicht mithalten.

11. Was würdet Ihr als Gruppe tun, wenn morgen ein Dietmar Hopp kommen würde und Geld in den Verein reinpumpen würde, so wie er es in Hoffenheim macht? Oder Red Bull, um ein anderes Extrem zu nennen.

  • Den „Eindringling“ mit allen Waffen bekämpfen.

12. Kommen wir zu Euren Rivalen, welche Rivalen habt Ihr, welche würdet Ihr als Derbys bezeichnen und warum?

  • Wir haben nur ein Derby, das gegen Wacker Burghausen. Die Aufeinandertreffen zur Ermittlung der ostbayerischen Nummer 1 haben sich, angeheizt aus dem Regensburger Fanlager, in den letzten 10 Jahren immer mehr zugespitzt. Beide Vereine sowie auch die Fanszenen sind ähnlich groß und wir mobilsieren zu den Auswärtsderbys jedes Jahr unzählige Jugendliche aus allen Bereichen der Stadt Regensburg.

Derby gegen Burghausen

13. Welche Highlights gab es in den letzten Jahren aus Derbysicht für Euch?

  • In der Wacker-Arena hatte Burghausen auch dank des perfekten Heimblocks zumindest choreotechnisch zumeist die Nase vorne.
  • In Puncto Lautstärke und abseits der Ränge eher nicht. Und wir haben zuletzt endlich einmal sportlich siegen können, was sehr gut tat…

14. So, zum Schluss noch eine persönliche Frage, schaust Du auch die Bundesliga, erweckt die erste Liga auch Dein Interesse?

  • Nein. Ich informiere mich seit Jahren nur noch über das Web darüber. Aber ich bin über sämtliche – zumindest europäische – Ligen (teils aber bis in die unteren Spielklassen) im Bilde. Und ich muss zugeben, ich werde die WM schauen. Das hat mich schon als kleinen Bub fasziniert und davon wird mich auch der kommerzielle Megahype nicht abbringen

Das war´s! Ich bedanke mich bei Dir für dieses Interview, wünsche Dir und vor allem den Ultras Regensburg alles Gute für die Zukunft. Macht weiter so, kämpft für die Sache und für Euren Verein.

Relevante Links:

Ultras Regensburg

Red Generation

SSV Jahn Regensburg