Hertha BSC

Category: Derbys Deutschland,Hertha BSC,Union Berlin – Author: admin – 1:47 pm

Dass sich die Eröffnung des neuen Flughafens in der deutschen Hauptstadt immer weiter in die Länge zieht, ringt den Berlinern längst nur noch humoristische Einlagen ab – so macht seit etlichen Monaten der Witz der Runde, dass die Millionenmetropole alles außer Flughafen bauen, S-Bahn betreiben und Fußballspielen kann. Zumindest beim Kampf um das runde Leder kündigt sich mittlerweile jedoch ein baldiges Endes des Elends an: Momentan mischen schließlich gleich beide Berliner Zweitligisten munter im obersten Tabellendrittel mit.

Wenn es somit am Montagabend im Olympiastadion zum direkten Duell der beiden Lokalrivalen kommt, kann mit gutem Recht von einem Aufstiegsgipfel gesprochen werden – selbst wenn diese Aussage wohl bei Fans aus beiden Lagern zwangsläufig Widerspruch provoziert. Die gastgebende Hertha hat die sofortige Rückkehr in die Bundesliga dank einer langgestreckten Siegesserie schließlich bereits jetzt so gut wie sicher unter Dach und Fach gebracht, während das Abenteuer Erstklassigkeit im Masterplan der Unioner zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht vorgesehen ist.


Union geht als Außenseiter ins Derby

Selbst wenn sich die Eisernen am zurückliegenden Wochenende auf den vierten Tabellenrang verbessern konnten, übt man sich in Köpenick weiter in Bescheidenheit; von der ‚Zielstellung Platz fünf bis sieben‘ wird bei den Ost-Berlinern weiterhin keinen Zentimeter abgerückt. Und zumindest vor dem schweren Gang nach Charlottenburg liegt den Rot-Weißen viel daran, dass der Ball auch weiterhin erst einmal flachgehalten wird: Mit der Rolle des vermeintlich chancenlosen Underdogs haben die Unioner in den zurückliegenden Derbys schließlich fast immer gute Erfahrungen gemacht.

In den bisherigen drei Vergleichen konnte der in sportlicher Hinsicht klar tonangebenden Hertha nämlich erstaunlicherweise eine ausgeglichene Bilanz abgetrotzt werden; aus Sicht der Ost-Berliner ragt dabei nach wie vor der sensationelle Sieg im Olympiastadion aus dem Frühjahr 2011 heraus. Der mittlerweile in Cottbus kickende Mosquera sowie Kapitän Mattuschka drehten an jenem Nachmittag den frühen Rückstand durch Hubnik in einen kaum für möglich gehaltenen Triumph: Wer damals nach Schlusspfiff den legendären Unioner Pressesprecher Christian Arbeit vor Rührung und Fassungslosigkeit hemmungslos weinen sah, kann leicht erahnen, dass das Derby trotz seiner geringen Tradition schon eine ganze Menge Geschichten zu bieten hat.


Brisanz im Ost-West-Duell

Nach dem zwischenzeitlichen Aufstieg der Hertha macht es nun fast den Eindruck, als wären die Charlottenburger eigens noch einmal in die Niederungen der Zweitklassigkeit zurückgekehrt, um die bösen Geister der Vergangenheit loswerden zu können; so wurde die einstige Schmach bereits im vergangenen Herbst mit dem 2:1-Erfolg an der Alten Försterei erfolgreich getilgt. Doch auch bei diesem Sieg hatten sich die verbissen kämpfenden Gastgeber lange Zeit als ebenbürtig erwiesen; nachdem der Unioner Quiring die Führung durch Wagner egalisierte, war im September jedoch der alte Dame in Gestalt des einmal mehr als Matchwinner in Erscheinung tretenden Ronny das letzte Wort vorbehalten.

Dass sich der Unioner Torschütze im Nachhinein darüber echauffierte, dass ausgerechnet „die Wessis in unserem Stadion“ ihre Party feiern konnten, deutete dabei einen Berliner Ost-West-Konflikt an, der Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung allenfalls noch unterschwellig zum Tragen kommt. Schon am folgenden Tag hatten etwa die hauptstädtischen Gazetten flugs nachgezählt und der staunenden Öffentlichkeit offengelegt, dass der Kader der Herthaner deutlich mehr Ost-Berliner Eigengewächse als Union aufzubieten hat. Darüber hinaus ziehen die Blau-Weißen zumindest in ihren besseren Tagen längst ein Gesamtberliner Publikum in ihren Bann – und auch die Eisernen können mittlerweile darauf bauen, dass ihre Anhängerschaft im weiten Teilen der Metropole verwurzelt ist.

Da einem Lokalderby ein zusätzlicher Schuss Brisanz jedoch natürlich nicht schaden kann, steht am kommenden Montag dann aber doch unter anderem auch wieder die Ehre der jeweiligen Berliner Stadtteile auf dem Spiel – zumindest die Wettanbieter gehen vorab davon aus, dass dieses Mal dann erneut von der Hertha gejubelt werden kann.